Beim Selektiven Mutismus handelt es sich um eine Angststörung von der ca. 1% der Kinder und Jugendliche, in seltenen Fällen auch Erwachsen betroffen sind. Diese Kinder und Jugendliche verfügen grundsätzlich über ausreichende sprachliche Fähigkeiten, schaffen es jedoch in einer oder mehreren sozialen Situationen konsistent nicht zu sprechen. Zumeist haben selektiv mutistische Kinder keine Schwierigkeiten, Zuhause mit ihren Familienangehörigen fließend und locker zu sprechen, während ihnen das Sprechen im Kindergarten oder in der Schule sowie in unbekannten sozialen Situationen nicht möglich ist.
Fragen Eltern selektiv mutistischer Kinder bei Erziehern, Lehrern und Kinderärzten um Rat, wird ihnen häufig empfohlen, nichts zu unternehmen, da ihr Kind „einfach nur schüchtern sei und sich dies schon geben würde“. Unbehandelt ergeben sich jedoch tendenziell chronische Verläufe mit psychischen Folgeerkrankungen, so dass eine Diagnostik und Therapie dringend zu empfehlen ist.
Da es sich beim selektiven Mutismus um ein seltenes Störungsbild handelt, ist die Symptomatik sowohl für die Bezugspersonen des Kindes als auch für viele Kliniker schwer einzuschätzen. Neben der Verkennung der Symptomatik als „nur schüchtern“, wird das Verhalten des Kindes fälschlicherweise als willentlich und oppositionell gewertet. Schließlich „kann das Kind ja, wenn es nur möchte“. Insbesondere, wenn das Kind mit aggressiver Abwehr reagiert, wird es als oppositionell eingeschätzt. Auch kursieren weiterhin häufig nicht zutreffende Annahmen, wie z.B. dass ein Trauma des Kindes oder gravierende Erziehungsfehler Auslöser der Symptomatik müssen. Eine Aufklärung sowie Anleitung zur Therapie der mit dem Kind konfrontierten Bezugspersonen erscheint somit dringend erforderlich.
Bis vor wenigen Jahren war es für Betroffene kaum möglich angemessene Hilfe zu bekommen, da es im deutschen Raum noch sehr wenig Kenntnis zum selektiven Mutismus gab und es an hilfreichen Therapiekonzepten mangelte. Zum Glück hat sich diese Situation mittlerweile etwas verbessert, da mehr Forschung zu Diagnostik und Therapie stattgefunden hat.
Heute gibt es wissenschaftliche Evidenz dafür, dass es sich beim Selektiven Mutismus um eine Angststörung handelt, welche vorwiegend auf ein ängstlich-gehemmtes Temperament zurückzuführen ist und sich somit erfolgreich mit Methoden der Verhaltenstherapie behandeln lässt. In einer Verhaltenstherapie kommen spielerisch selbstwertsteigernde Methoden zu Einsatz und es wird vermieden, das Kind unter Druck zu setzen zu sprechen. Eine Therapie des selektiven Mutismus sollte am „Ort des Schweigens“, was zumeist den Kindergarten oder die Schule betrifft, stattfinden und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Eltern, Therapeut und weiteren Bezugspersonen wie Erziehern und Lehrern ermöglichen.
In meinem beruflichen Werdegang hatte ich das Glück, während meiner Tätigkeit an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums der Goethe Universität Frankfurt erstmals mit dem Thema in Kontakt zu kommen. Hier bot sich mir die Möglichkeit in einer Forschungsgruppe zum Selektiven Mutismus mitzuwirken sowie in der Patientenversorgung die Sprechstunde zum Selektiven Mutismus zu leiten. Später konnte ich mich bei Prof. Christina Schwenck im Fachbereich Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Justus Liebig Universität noch weiter mit dem Thema befassen und neuste verhaltenstherapeutische Therapiemethoden kennenlernen. Mich begeistert, dass ich bei der Diagnostik und Behandlung selektiver Mutisten neben meiner Expertise als Verhaltenstherapeutin auch mein Wissen aus meinem ehemaligen Beruf als Logopädin sinnvoll mit einbringen kann.
Wenn Sie denken, dass Sie oder ihr Kind von selektivem Mutismus betroffen sein könnte, nehmen Sie gerne Kontakt zu mir auf! Ich kläre Sie in einem persönlichen Gespräch differenzierter über mein therapeutisches Vorgehen bei der Diagnostik und Therapie von selektivem Mutismus auf.